Was ist mein Piano noch wert?

Das schöne Zitat von Franz Liszt, „Mein Klavier ist für mich, was dem Seemann seine Fregatte, dem Araber sein Pferd, mehr noch, meine Sprache, mein Leben!“, in einem seiner Reisebriefe Ende der 1830er Jahre zeigt den möglichen hohen emotionalen Wert eines Pianos. Gleiches kann für geliebte Familieninstrumente oder aus anderen Gründen ans Herz gewachsene Pianos gelten.

Aus unserer Sicht hat ein Piano mehrere Werte, 

  • den emotionalen Wert
  • den musischen Wert
  • den historischen Wert
  • den ökonomischen Wert
  • den ökologischen Wert 

Der musische Wert

Den musischen Wert sehen wir in der Klangschönheit eines Instrumentes – dieser kann durchaus einzigartig sein, sowohl bei Neuinstrumenten, als auch bei gealterten Instrumenten, die einen einzigartigen Charakter entwickelt haben.

Der historische Wert

Der historische Wert bezieht sich auf Aspekte des Instrumentenbaus, der Klavierbaugeschichte und der Eigner. Gerade alte Pianos sind in ihrer Bauart oft Zeugnisse und so nur begrenzt vorhanden. Gehörten Instrumente bedeutenden Persönlichkeiten, ist auch dies geschichtlich interessant. Museen und Sammlungen sind jedoch übervoll mit solchen Instrumenten und nur noch sehr wenige Instrumente in Privatbesitz gehören in diese Kategorie. 

Der ökonomische Wert

Zum ökonomischen Wert hat der Bund Deutscher Klavierbauer zusammen mit anderen Sachverständigen eine Bewertungstabelle in puncto Wertentwicklung von Pianos zusammengestellt. So ähnlich wie die Schwacke Liste aus dem Fahrzeughandel.

Unterschieden nach der Pianoqualität in den Klassen ‚unterste‘ bis ‚oberste‘ – wobei ‚oberste‘ wohl Marken wir Steinway & Sons etc. beinhaltet, wird hier angegeben, dass Pianos ihren wirtschaftlichen Wert nach einigen Jahren komplett verlieren, d.h.,

  • ein Piano der untersten Klasse nach 15 Jahren
  • ein Piano der mittleren Klasse nach 35 Jahren
  • ein Piano der obersten Klasse nach 70 Jahren

Selbstverständlich sind das nur Orientierungswerte, da Erhaltungszustand, Modell und Markt hier Einfluss nehmen. Ein Steinway Piano, gleich welches Modell, aus dem Jahre 1950 – also nach der Liste im Jahre 2020 siebzig Jahre alt, hat ganz sicher nicht den Wert 0, sondern immer noch einen vier- bis fünfstelligen Eurobetrag.

Der angegebene Neuwertverlust beträgt bei allen Qualitätsklassen zwischen 30-40%! Ähnlich wie bei PKW ‚verliert‘ der Käufer eines Neupianos also gleich mal ca. 1/3 des Kaufpreises im ersten Jahr.

Ein Markenpiano hat auch nach den Zeiträumen in der oben genannten Tabelle noch einen meist stabil bleibenden Restwert. Je nach Angebot und Nachfrage kann dies jedoch nicht mehr realisiert werden. Nach unserem Verständnis hat es also immer noch seinen Wert. 

Wenn nur noch der aktuell erzielbare Verkaufspreis als Wert angesehen wird, entwickelt sich der Europäische und Amerikanische Klaviermarkt gerade in eine sehr ungünstige Richtung im Sinne Wertentwicklung älterer Pianos. Einfacher Grund: die Nachfrage sinkt seit Jahren dramatisch – gleichzeitig sind Millionen gebrauchter Pianos auf dem Markt. Nur in Märkten, wo die Nachfrage noch steigt oder steigen kann, aktuell in Asien und Afrika, sieht das anders aus.

Nach unserer Beobachtung sind selbst deutsche Markenpianos heute kaum mehr in Europa zu verkaufen – privat besteht kaum mehr Nachfrage – und damit haben auch die Klavierhändler kein Interesse mehr an weiteren Instrumenten – deren Lager sind i.d.R. übervoll. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Die Verschenkanzeigen auch für Edel-Marken wie Ibach, Feurich und Blüthner nehmen deutlich zu.

Abgesehen von Unikaten und besonderen Raritäten, ist ein Piano kein Anlageobjekt im Sinne einer planbaren Wertsteigerung. Angesichts von Null bis Minus-Zinsen für Geld, kann ein Piano zumindest seinen Wert erhalten. Aus dieser Sicht lohnt ein Piano als Anlageobjekt nur, wenn es kein neues Piano – und möglichst ein Steinway Piano ist. Auch Marken wie Blüthner, Bechstein, und inzwischen auch Yamaha können eine sinnvolle Investition darstellen, wenn der Einkaufspreis angemessen war – und das Instrument gut erhalten wird.  

Für Piano Besitzer eines gebrauchten Pianos beantwortet sich die Frage nach ‚Was ist mein Piano noch wert?‘ also recht einfach – genau so viel, wie es bei einer Annonce nach angemessener Zeit noch erzielt. Händler und Sammler beobachten die privaten und gewerblichen Annoncen quasi tagesgenau – auch deren Nachfrage zeigt also deutlich, den aktuellen Marktwert.

Wenn Sie eine konkrete Bewertung ihres Pianos wünschen, bieten wir die Einschätzung und Bewertung Ihres Instrumentes als kostenpflichtigen Service an. Details zu unserem Angebot erfahren Sie hier.

Der ökologische Wert

Der ökologische Wert eines Pianos ist bis heute noch wenig wissenschaftlich erforscht oder öffentlich diskutiert. Gleichwohl stecken in einem Piano viele hunderte Arbeitsstunden und hunderte Kilogramm verbaute Rohstoffe, die unter erheblichem Energie- und Ressourceneinsatz in der Produktion realisiert werden. Lesen Sie dazu bitte auch unseren Blogbeitrag ‚Wie entsorge ich ein Klavier?‚.

Diesen ökologischen Wert zu würdigen, heißt für uns, bei der Produktion, dem Erhalt und auch der endgültigen Verwertung die sinnvolle und bestmögliche ökologische Bilanz anzustreben. Wie bei fast allen Dingen, ist die Anschaffung und der Erhalt eines gebrauchten Pianos ökologisch also erheblich besser, als die Produktion eines neuen Pianos, da keine neuen Rohstoffe und Energien verbraucht werden. Selbst die sorgsame Renovierung eines alten Pianos bedeutet einen deutlich geringeren Ressourceneinsatz als der Neubau. Lesen Sie dazu bitte auch unser Angebot zu Piano-Entsorgung.

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