Elfenbeintasten bei Klavieren?

Gleich vorneweg – die folgenden Aussagen ersetzen keine Rechtsberatung und erheben keinen Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit. Im konkreten Falle wenden Sie sich dafür bitte an das jeweils für Sie zuständige Amt bzw. an einen Rechtsbeistand ihrer Wahl. Die folgenden Aussagen sollen nur sensibilisieren für die Relevanz dieses Themas im Zusammenhang mit gebrauchten Pianos. Details finden sich hier auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und hier auf den Seiten der EU Commission.

Was hat sich geändert?

Die EU hat mit Wirkung vom 19.01.2022 den Handel mit Elfenbein und Elfenbeinprodukten und auch Gegenständen in denen verarbeitetes Elfenbein vorhanden ist (also auch Klaviertastenbeläge) weiter stark eingeschränkt. Davon sind grundsätzlich auch alle Klaviere betroffen, deren weiße Tasten mit Elfenbein belegt sind. Vor 19.01.2022 war der Handel auch schon eingeschränkt, sodass bei jedem Grenzübertritt in die oder aus der EU ein CITES Dokument vom BfN erforderlich war. Mit der Verschärfung ab 19.01.2022 muss nun für JEDEN Kauf / Verkauf auch innerhalb der EU und auch innerhalb jeden Landes eine Ausnahmegenehmigung von der jeweils zuständigen Behörde eingeholt werden. Ohne solche eine Bescheinigung ist der Handel strafbar!

Darf ich bei Ebay ein Klavier mit Elfenbeintasten verkaufen?

Nein. Schon lange nicht mehr. Unsere jüngste Anfrage bei Ebay Kleinanzeigen (Januar 2023) ergab erneut: „In unseren Grundsätzen unter unzulässigen Produkten steht: Handel mit Elfenbein und allen Elfenbeinprodukten, und zwar unabhängig von der Herkunft des Elfenbeins oder Elfenbeinproduktes inkl. prähistorisches Elfenbein. Dieses Verbot gilt schon seit über 10 Jahren auf eBay Kleinanzeigen. Daher dürfen bei uns auch keine Klaviere angeboten werden, die eine Vermarktungsbescheinigung haben.“. Das heißt also, Klaviere mit Elfenbeintastenbelägen dürfen gar nicht mehr auf Ebay angeboten werden – egal, ob mit oder ohne Bescheinigung. Das gilt meistens auch für andere Portale. Trotzdem finden sich jeden Tag sehr viele neue Annoncen, die diesem Verbot zuwider handeln. Nach der Verschärfung der EU Regeln nehmen nun auch die Kontrollen zu, sodass davon auszugehen ist, dass künftig häufiger diese strafbare Handlung sanktioniert wird.

Betrifft das jedes Piano mit Elfenbein!

Ja. Pianos mit Elfenbein gebaut ab 1975 dürfen gar nicht mehr gehandelt werden. Pianos vor 1975 können mit einer Vermarktungsbescheinigung angeboten werden. Und – diese Gesetzesverschärfung betrifft nicht nur den kommerziellen Handel, sondern jeden Kauf und Verkauf, d.h. jeden Besitzerwechsel eines Pianos, das Elfenbein auf den Tasten hat. Das gilt natürlich auch für einzelne Tasten oder ganze Klaviaturen, falls diese einzeln angeboten werden. Pianos aus der Zeit vor 1947 gelten als Antiquitäten und benötigen ebenfalls jetzt grundsätzlich solch eine Genehmigung. Eine Genehmigung wird dabei nur noch erteilt, wenn das Piano nicht ausschließlich als Ausstellungsobjekt genutzt wird – d.h. das es als Musikinstrument genutzt wird bzw. werden kann.

Ist das Sache des Käufers oder Verkäufers?

Grundsätzlich ist jeder Verkäufer verpflichtet, vor dem Angebot solch eines Instrumentes eine entsprechende Genehmigung vorliegen zu haben. Es sind aber auch alle Käufer verpflichtet, vor Kauf zu prüfen, ob der Verkäufer zu dem Instrument solch eine Bescheinigung besitzt. Falls nicht, ist scheinbar auch der Kauf ohne Bescheinigung strafbar.

Gültigkeit und Dauer der Genehmigung?

Wenn eine Vermarktungsgenehmigung erteilt wurde, die beim Instrument verbleibt, kann auch ein Weiterverkauf mit diesem Dokument erfolgen – jedoch haben die Genehmigungen eine begrenzte Gültigkeitsdauer und müssen nach Ablauf neu beantragt werden.

Wie viel Elfenbein ist im Klavier?

Die allermeisten Pianos aus der Zeit vor 1947 haben Elfenbein als Tastenbelag für die weißen Tasten. Manche haben jedoch auch einen Belag aus Knochen oder Plastik (siehe auch unseren Beitrag ‚Wie ist die Piano Tastatur erhalten?‚) – dies ist nicht immer einfach zu unterscheiden. Die Tastenbeläge wurden damals mit Knochenleim auf die hölzerne Taste geklebt, meistens unterteilt in Vorder- / Hinter- und Frontstück -meistens  erkennbar an den Staubeinlagerungen an den Schnittkanten. Je nach Tastengröße, Anzahl der Tasten und Dicke des Elfenbeinbelages, betrifft das ca. 50 Tasten mit je ca. 6g Belag, also in Summe ca. 300g.

 

Wo bekomme ich so eine Genehmigung?

Früher wurden die CITES direkt beim Bundesamt für Naturschutz beantragt. Die neuen Bescheinigungen erhält man jetzt bei den zuständigen Landesbehörden, meistens dem zuständigen Landratsamt. Die Kosten für solch einen Antrag sind scheinbar unterschiedlich und können auch dreistellige Beträge annehmen. Für den Antrag werden detaillierte Informationen zum Instrument erforderlich, um Typ, Baujahr, Zustand sowie v.a. Details zum vorhandenen Elfenbein nachzuweisen. In Ermangelung von originalen Herstellerunterlagen zu den alten Pianos erfordert dies Expertenwissen und Zugang zu Fachunterlagen.

Was ist mit Annoncen von privat?

Das neue Gesetz gilt für alle Transaktionen, d.h. auch für jede Annonce auf Kleinanzeigen-Marktplätzen in Zeitungen oder im Internet – egal ob privat oder gewerblich. Daher verbieten auch die großen Portale Annoncen im Internet mit der Erwähnung des ‚Elfenbein‘ Tastenbelages. Die Weglassung dieses Begriffes ermöglicht zwar meistens das Schalten der Annonce – jedoch handelt nach unserer Auffassung hier der Einsteller trotzdem rechtswidrig. Also Vorsicht.

Ist das bei alten Klavieren sinnvoll?

Die Frage stellt sich eigentlich nicht mehr, da es jetzt geltendes Gesetz ist. Richtig ist, alles dafür zu tun, dass der illegale Handel mit Elfenbein verhindert wird. WWF berichtet, dass immer noch mehr als 20.000 Elefanten pro Jahr getötet werden, um das Elfenbein zu verkaufen. Das ist eine grausame Katastrophe. Auch wenn davon vermutlich heute nichts mehr auf Klavieren landet – und auch alte Elfenbeinbeläge auf Klaviertasten kaum illegalen Handel ermöglichen sollten, müssen halt alle Transaktionen von Elfenbein dokumentiert werden.

Gilt das auch für die Entsorgung?

Auch vorher schon war es falsch, Pianos einfach zu entsorgen, da sie dann meistens einfach komplett verbrannt werden und schädliche Schlacke erzeugen – siehe auch unser Beitrag ‚Wie entsorge ich mein Klavier?‚. Nach unserer Auffassung erlaubt das neue Gesetz die Abgabe an einen Entsorger, sofern keine Bezahlung für das Piano im Sinne eines Handels vorgesehen ist. Es ist in jedem Falle besser, das Piano sachgerecht recyceln zu lassen, sodass auch etwaiges Elfenbein dokumentiert für die Reparatur anderer alter Pianos erhalten bleibt. Sollten Sie also ein Piano mit Elfenbein belegten Tasten entsorgen, wäre es immer noch besser die Tasten vorher herauszunehmen und einem lokalen Klavierbauer oder auch uns zu schenken, damit wir das Elfenbein erhalten können. Auch hier ist es wichtig, formlos zu dokumentieren, woher die Tasten stammen und dass kein Handel damit betrieben wurde.

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