Wie wurden Künstlerrollen aufgenommen?

Nach den Kriegen sind leider keine Aufnahmeflügel erhalten –und aus Geheimhaltungsgründen wurden auch keine Konstruktions- oder Patentunterlagen dazu veröffentlicht, so dass es bis heute nicht ganz aufgeklärt ist, wie genau der Aufnahmevorgang erfolgte. Die Darstellungen der Hersteller in den Produktkatalogen und Annoncen sind nur sehr grob gehalten – jede Taste des Aufnahmeflügels sei elektrisch mit dem Aufnahmegerät verbunden gewesen und hätte Zeitpunkt und Länge der angeschlagenen Tasten meistens mittels Rotierenden Scheiben Linien auf einer Papierwalze aufgezeichnet. Dynamik und Pedal sei von einer zusätzlichen Einrichtung aufgenommen worden, die die Geschwindigkeit und Stärke des Tastendrucks aufgezeichnet habe.

Lediglich von Ampico und Duoart sind detailliertere Beschreibungen erhältlich. Bei Welte und Hupfeld sind in Expertenkreise gefestigte Theorien entstanden über die wahrscheinliche Art der Notenrollenherstellung. Als gesichert gilt, dass schon ab 1904 nicht nur die gespielten Tasten, das Tempo und die Pedalnutzung aufgezeichnet wurde, sondern auch die Dynamik. Zusätzlich wurden vermutlich von geschultem Personal Informationen zum Musikvortrag mitgeschrieben oder separat aufgezeichnet und später auf der sogenannten Mutterrolle eingearbeitet.

Die Suche nach Details zur Aufnahmetechnik hat in den letzten Jahren wieder mehr Augenmerk erhalten. Vor allem aus der Perspektive der Interpretationsforschung. Das Musikautomatenmuseum in Seewen arbeitet in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen an diesem Thema. Der vermutlich einzig erhaltene Aufnahmeapparat von Welte für die Orgelaufnahmen ist in diesem Museum zu sehen. Details zur Aufnahmetechnik von Hupfeld sind von Ludwig Riemann aufgeschrieben worden. Er hat als Musikwissenschaftler interessante Veröffentlichungen zum Wesen des Klavierklanges und dem (musikalischen) Wert der Klavierspielapparate geschrieben. Er war nach eigenen Angaben anwesend, als Edvard Grieg im Aufnahmesalon von Hupfeld am Aufnahmeflügel spielte. Einige seiner Erkenntnisse hat er in seinen Veröffentlichungen beschrieben.

H.-W. Schmitz hat seinerzeit den Lipp Aufnahmeflügel (Seriennummer 26087) ausfindig machen können, der bei Philipps für die Künstleraufnahmen im Einsatz war. Leider war die Aufnahmetechnik bereits vor Jahrzehnten entfernt worden. Erhalten waren jedoch die vielen Unterschriften der Pianisten, die für DUCA Aufnahmen gemacht haben. Die Unterschriften auf dem Gussrahmen waren offenbar übliche Praxis und so auch zu finden bei Hupfeld und Welte. Von einem Blüthner Aufnahmeflügel bei Hupfeld sind Fabrikaufnahmen erhalten. Der Aufnahmeflügel bei Welte ganz am Anfang soll ein Feurich Konzertflügel gewesen sein.

Anhand der Fotos aus den Aufnahmesitzungen bei Hupfeld und Welte ist zu erkennen, dass alle führenden Marken im Einsatz waren – vermutlich, um den Präferenzen der Pianisten entgegen zu kommen. So finden sich Blüthner, Feurich, Grotrian-Steinweg, Steinway und Rönisch Instrumente – als Salonflügel in der Größe von 1,90m – 2.10m Länge.

Bei der Suche nach Details v.a. des Aufnahmeprozesses bei Welte spielen Feurich als Klavierhersteller und Hugo Popper als Mitwirkender vermutlich eine große Rolle. Hier gilt es noch viele Fragen zu klären.

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