Wie ist die 73er Skala von Hupfeld aufgebaut?

Die eigentlich 72er Skala wurde ~1902 von Hupfeld auf den Markt gebracht, um mit größerem Tonumfang und geteilter Windlade (separate Dynamik von Bass und Diskant) im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Aeolian aufwarten zu können. In der Werbung spricht Hupfeld anfangs bewusst immer nur von 72 Tönen – obwohl viele Phonola Instrumente 73 Töne spielten. Die Skala reichte von F1-f3 – jedoch standardmäßig ohne FIS1. Dieser Ton lag sozusagen als Zusatz auf Loch 39 (statt auf Loch 2) des Notengleitblocks. Hintergrund ist, das Hupfeld die verbleibenden max. 5 Löcher (es sind 77 Löcher im Notengleitblock) für die Phonola verwandten Instrumente (vor allem Phonoliszt, aber auch Clavitist/Universal etc.) freihalten wollte, um Steuerfunktionen dort abzubilden.

An der Phonola wurden häufig auch die Notenleisten oberhalb des Notengleitblockes angebracht, so dass man die Zuordnung zu den Löchern nachvollziehen konnte.

1908 bringt Hupfeld mit der Solodant Funktion, d.h. der betonten Melodieführung, eine wesentliche Neuerung auf den Markt. Herstellerspezifisch ist die Anordnung dieser Betonungslochungen bei Hupfeld in der Rollenmitte (bei Aeolian am Rand, s.o.). 

Die Belegung der Löcher in dieser Hupfeld Skala ist:

Loch 1-34, 36, 38-40, 41-77: 73 Töne von F1 bis f4 (ohne FIS1)

Loch 35, 41: ohne Belegung

Loch 37: Solodant Bass

Loch 39: ohne Belegung oder FIS1

Loch 43: Solodant Diskant

Hupfeld hat 1908 offensiv den Kundenbestand des Mitkonkurrenten Aeolian adressiert mit der Möglichkeit auf der 72er Phonola mittels umschaltbarer Skala auch die 65er Notenrollen spielen zu können.

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